Das mit Schilf gedeckte Bauernhaus wurde um 1728 von dem Wagnermeister und späteren Marktrichter (dem heutigen Bürgermeisteramt entsprechend) Matthias Haydn erbaut. Hier schenkte ihm seine Frau Maria, geb. Koller, sie war Köchin im Dienste der Grafen Harrach, zwölf Kinder, von denen nur sechs das Erwachsenenalter erreichten. Die Söhne Joseph, geboren am 31. März 1732, und Michael, geboren am 14. September 1737, sollten Weltgeltung erlangen. Joseph wurde fürstlich Esterházy'scher Kapellmeister und bereits zu Lebzeiten eine Legende, sein Bruder Michael wirkte als Konzertmeister am fürsterzbischöflichen Hof zu Salzburg. Obwohl Joseph Haydn sein Geburtshaus bereits im Alter von sechs Jahren verließ, um in Hainburg und in Wien seine Ausbildung zu erfahren, hatte er doch lebenslang eine Bindung zu dem Haus und soll 1795, als er von seiner triumphalen Englandreise heimkehrte und seinen Heimatort besuchte, niedergekniet sein und die Türschwelle geküsst haben.

Zu Haydns Zeit umfasste das Haus lediglich das Geburtszimmer, die Küche, die Wohnstube und einen Nebenraum. Auf dem Grundstück befand sich ursprünglich auch die östlich im rechten Winkel angefügte Schmiede- und Wagnerwerkstatt des Vaters.

Bereits 1763 ging das Haus nach dem Tod der Eltern Haydn in  fremden Besitz über. Kurz nach Joseph Haydns Tod am 31. Mai 1809 erschien ein Stich nach Friedrich Berndt, das Geburtshaus darstellend. Der Überlieferung nach soll Ludwig van Beethoven dieses Blatt später an seinem Sterbebett ehrfurchtsvoll in Händen gehalten haben. Der östlich angefügte Hoftrakt war bereits, wie erwähnt, vor 1820 vorhanden, wurde jedoch nach 1900 durch ein neues Stallgebäude ersetzt.

 

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1841 wurde die Schrifttafel  „Zum Haydn“ an der Außenfassade des Hauses angebracht und manifestierte die Bedeutung des Ortes als musikhistorische Pilgerstätte.

1877 enthüllte der „Männergesangsverein Arion“, dem auch Johann Strauß als Mitglied angehörte, die erste Gedenkschrift ebenfalls an der Außenfassade, die sich heute an der Arkadenwand im Innenhof befindet. 1899 vernichtete ein Brand einen Großteil des Hauses. 1909 war das Gebäude, dessen große Stube unversehrt geblieben war, wieder restauriert.

Im Jahr 1958 erwarb das Land Niederösterreich die Liegenschaft und eröffnete sie 1959 anlässlich des 150. Todestages Joseph Haydns als Museum. Das Anwesen erhielt einen Laubengang, der es nach Süden abschloss. Der bereits genannte, seit ca 1820 bestehende östlich angefügte Hoftrakt, diente bis Herbst 2016 als Konzertsaal und Dokumentationsraum.

 

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Aus Anlass des 250. Geburtstages Joseph Haydns wurde das Haus  1982 komplett renoviert und die Schausammlung neu aufgestellt, wobei besonders der wohnliche Charakter des Hauses betont wurde. Das Geburtszimmer, eine rekonstruierte Rauchkuchl und die Wohnstube, bestückt mit Original-Bauernmöbeln aus der Zeit der Familie Haydn, gaben einen romantisch historisierenden Einblick in die privaten Lebensumstände des Komponisten. Im  Jahr 2003 erfolgte die Restaurierung des originalen Hammerflügels (Firma Walter, Wien), auf dem der Meister selbst gespielt haben soll. 

Seit einigen Jahren bildet auch der stimmungsvolle Hof mit seinem Laubengang den Rahmen für Konzerte, sowie zahlreiche andere kulturelle Veranstaltungen, die das musikalische Wirken von Joseph und Michael Haydn in den Mittelpunkt stellen.
Auf Initiative des Landes Niederösterreich wird das Museum von 1. Oktober 2016 bis Mitte September  2017 durch folgendes Projektteam saniert und unter Einbindung des Bundesdenkmalamtes sowie aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse neu gestaltet.

  • Abteilung für Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich / Leitung Mag. Hermann Dikowitsch
  • Abt. LAD 3 – Gebäudeverwaltung
  • Dr. Werner Hanak-Lettner (Kurator)
  • Mag. Stefan Umdasch (Design und Bauvorhaben)

Voraussichtliche Wiedereröffnung:
14. September 2017

Sehen Sie hier ein paar Bilder vom Umbau.

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